OeGHO Frühjahrstagung 2026 (Bregenz)
Im Rahmen der diesjährigen Frühjahrstagung der OeGHO in Bregenz durfte
ich über ein zentrales Thema der modernen Onkologie referieren: die
molekulare Diagnostik als klinischer Standard bei hepatozellulärem
Karzinom (HCC) und Cholangiokarzinom (CCC).
Die Präzisionsonkologie hat in den letzten Jahren einen tiefgreifenden
Paradigmenwechsel eingeleitet. Tumoren, die früher als klinisch homogene
Entitäten betrachtet wurden, zeigen heute eine ausgeprägte molekulare
Diversität – mit unmittelbaren therapeutischen Konsequenzen.
Beim Cholangiokarzinom ist das frühzeitige, umfassende molekulare
Profiling essenziell. Zielstrukturen wie FGFR Alterationen,
IDH1-Mutationen, BRAF-V600E, BRCA1/2, KRAS G12C oder HER2 Expression
eröffnen zunehmend individualisierte Therapieoptionen. Entscheidend ist
dabei die Anwendung moderner diagnostischer Verfahren, insbesondere die
Kombination aus DNA- und RNA-basierter Sequenzierung, um die volle
therapeutische Relevanz genetischer Alterationen zu erfassen.
Auch beim hepatozellulären Karzinom entwickelt sich die Diagnostik
weiter: Die rein bildgebungsbasierte Klassifikation wird zunehmend durch
molekulare Subtypen ergänzt. Insbesondere der WNT/β-Catenin-Signalweg
spielt eine zentrale Rolle für das Ansprechen auf Immuntherapien und
ermöglicht eine differenzierte therapeutische Stratifikation.
Parallel dazu eröffnen neue Substanzen zusätzliche Perspektiven:
Kombinationstherapien wie Irpagratinib mit Atezolizumab bei
FGF19-Amplifikation bzw. FGFR4-Aktivierung zeigen in aktuellen
Phase-II-Studien vielversprechende Ergebnisse. Ebenso unterstreicht die
gezielte Reaktivierung der TP53-Y220C-Mutation durch innovative
Wirkstoffe wie Rezatapopt – untersucht u. a. in der Phase-II-Studie
PYNNACLE – das wachsende Potenzial hochspezifischer molekularer
Therapiestrategien bei HCC und CCC.
Die Integration molekularer Diagnostik in die klinische Routine ist
somit nicht mehr optional, sondern entscheidend für eine moderne,
evidenzbasierte und patientenzentrierte Therapieplanung.
Mein Dank gilt den Organisatoren und Kolleginnen und Kollegen für die
Einladung und den intensiven wissenschaftlichen Austausch.